Ansprache von Wanderführer Wilhelm Diekmann zum Volkstrauertag am 18.11.2007

Sehr geherte Gäste, liebe Wanderkammeradinnen und Kammeraden

Wir stehen hier am Soldatengrab um all der Toten durch Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Wir wissen, dass dieses Soldatengrab eine Gedenkstätte – ein Mahnmahl – ist, an der kein Soldat begraben liegt. Doch versuchen wir einmal, an einen Soldaten zu denken, von dem wir nichts wissen.

War er im wie wir vielleicht sagen können im besten Mannesalter? War er schon sehr alt und in den letzten Kriegstagen zum Volkssturm kommandiert oder noch ein Schuljunge als Flackhelfer.

So wissen wir auch nicht, hat eine Mutter um ihn geweint, auch Väter können weinen. Haben Kinder um ihn geweint oder eine Frau? Eine Frau die schon ein langes Leben mit ihm geteilt hat und sich auf einen gemeinsamen Lebensabent gefreuthat? Oder eine noch junge Frau, die gerade ein gemeinsames Leben mit ihm beginnen wollte?
Hat erst Jahre später ein Kind um ihn getrauert, als es alt genug war, um zu verstehen warum es nie seinen Vater gesehen hat?

An all dieses Leid wollen wir hier und heute denken.

Sehr geherte Gäste, liebe Wanderkammeradinnen und Kammeraden,
wir gedenken aber auch der vielen Menschen in der Zivielbefölkerung die durch Kriegshandlungen, sei es durch Bomben, auf der Flucht, bei der Vertreibung oder sonstiges ums Leben kamen. Gedenken wollen wir aber auch – und die Reihenfolge ist keine Wertung – die kann es auch garnicht geben - der vielen Opfer durch Gewaltherrschaft. Umgebracht wegen ihrer Volkszugehörigkeit, ihrer Rasse, ihrem Glauben; wegen Krankheit oder körperlichen Gebrechen. Mit der Bezeichnung „Unwertes Leben“.

An dieser Stelle kann ich nicht umhin, die Frage zu stellen wann das Leben beginnt und wie unsere Gesellschaft auch heute – ohne das Wort „Unwertes Leben“ in den Mund zu nehmen – darüber entscheidet, ob ein ungeborenes Kind leben darf oder nicht.

Aber genauso gedenken wir derer, die ihr Leben lassen mussten, weil sie versuchten all dieses Unrecht zu verhindern.

All diese Toten sollen uns Mahnung sein, alle unsere Sinne wach zu halten, um solche Entwicklungen früh genug zu erkennen und ihnen entgegen zu steuern. Leider ist rassistisches Gedankengut auch heute weiter verbreitet, als es viele wahrhaben wollen.

Ich danke ihnen – euch - allen für die Teilnahme an dieser kleinen Gedenkveranstaltung.